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Warum sollte ich? Belohnung mit System

Motivation hat sehr viel mit Belohnung zu tun. Wir tun die Dinge, die wir tun, weil wir uns etwas davon versprechen. Dabei kann es um die materielle Vergütung einer erbrachten Leistung gehen. Im Fokus dieses Artikels geht es aber vielmehr um das körpereigene Belohnungssystem und um die Frage, unter welchen Umständen es anspringt – und was das mit mehr Zufriedenheit und Erfüllung am Arbeitsplatz zu tun hat. Und was passiert, wenn wir an diesem Belohnungssystem tagtäglich vorbeiarbeiten. 

Belohnung bis zur völligen Erschöpfung?

Es klingt ein wenig verrückt, aber tatsächlich haben Forschende bereits in den 1950er Jahre mit Ratten im Labor beweisen können, dass die Aktivierung des Belohnungssystem (mesocorticolimbische System) süchtig machen kann. Bei dem Versuch wurde den Ratten eine Elektrode ins Gehirn gesetzt. Mittels eines Hebels im Käfig konnten die Ratten selbst die Stromstöße auslösen. Beobachtet werden sollte eigentlich das Lernverhalten, doch wie so oft kam es anders als geplant. Denn zum einen aktivierte die Elektrode im falschen Areal des Gehirns das System und es kam zu einer Ausschüttung von Belohnungshormonen. Und zum anderen genossen die Tiere diese Hormonausschüttung so sehr, dass sie den Hebel bis zur absoluten Erschöpfung immer wieder betätigten.

Auch wir Menschen haben dieses körpereigene Belohnungssystem und tatsächlich streben auch wir, zwar auf unterschiedliche Art und Weise, aber kontinuierlich, nach dem vermeintlich besten Ergebnis, um es zu aktivieren. Dabei sind unsere Motive sehr unterschiedlich und auch die Art der Aktivierung differenziert. Einige Menschen können dieses System bereits aktivieren, wenn sie sich selbst gedanklich loben und wissen, dass sie eine Aufgabe sehr gut erledigt haben. Andere wiederum brauchen hierzu die Bestätigung von außen, denn sie selbst können die Ausschüttung der als positiv empfunden Hormone und Neurotransmitter nicht selbst aktivieren. 

Belohnt wie von selbst – oder auch nicht!

Manchen Mitarbeitenden in Ihrem Unternehmen liegt es, sich vorne hinzustellen und vor großem Auditorium die Ergebnisse des Quartals zu präsentieren. Andere fuchsen sich im Stillen in eine verzwickte Aufgabenstellung und man wundert sich, mit wie viel Ausdauer sie nach einer Lösung suchen. Wir alle hatten schon mit KollegInnen zu tun, die nie um ein Gesprächsthema verlegen und der Mittelpunkt eines jeden Team-Events sind. Bei anderen bewundern wir die Aufmerksamkeit und Umsicht, mit der sie ihren Mitmenschen begegnen und sich unermüdlich kümmern.

Sie alle – wir alle – haben etwas gemeinsam: individuelle Stärken. Und die sind ganz eng verbunden mit unserem Belohnungssystem. Denn wenn wir Dinge tun, die uns besonders liegen, aktiviert das die Belohnungshormone Dopamin und Serotonin. Und genau aus diesem Grund fallen uns diese Aufgaben leicht und kosten uns wenig Energie. Wir erledigen sie mit links und sind dabei auch noch zufrieden. 

Bekomme ich jedoch keine Bestätigung und gibt es keine Aktivierung meines körpereigenen Belohnungssystems, so entsteht Frust. Und Frust ist mitunter auch eine Art von Stress. Leider gilt in unserem Körper: „Bad ist stronger than good.“ Wir brauchen also kontinuierliche und sich immer wieder verändernde Belohnungen, um unser mesocorticolimbisches System zu aktivieren.

Vermeidung als Frustbewältigung 

Bleibt die Aktivierung aus oder arbeiten wir sogar völlig umsonst und bekommen keine Anerkennung, so entsteht nicht nur Frust, sondern unser System wird über kurz oder lang sogar versuchen, diese Situation zu meiden. Im Falle von Mitarbeitenden erleben wir, dass sie Führungskräfte verlassen, Arbeitgebende wechseln oder aber zumindest nur noch Betriebsstatisten statt Highperformer sind. 

Selbst wenn es nicht so weit kommt: Das Teamgefüge wird brüchig, die Zusammenarbeit leidet, von einem „Gemeinsam sind wir stark“ kann nicht mehr die Rede sein.

Aus diesem Grund ist es unabdingbar, dass wir Menschen in unseren Stärken arbeiten. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Mitarbeitenden stärkeorientiert (zusammen)führen, mit ihnen in ihrer „Sprache“ sprechen und auch für die unterschiedlichen Stärken im Team Verständnis haben. Denn dann aktivieren wir nicht nur das körpereigene Belohnungssystem, sondern wir erleben die Ausschüttung auch spürbar. Um nicht zu sagen: Wir haben spürbaren Erfolg. 

Dann muss das System halt anderweitig befriedigt werden

Wenn unser Belohnungssystem dauerhaft inaktiv ist, suchen wir uns instinktiv Ersatzbefriedigung. Das ist ein lösungsorientierter Ansatz, der jedoch für viele von uns nicht unbedingt gesund ist. Tatsächlich gibt es zahlreiche Ersatzstoffe, die offensichtlich ähnlich wirken im Körper wie beispielsweise Serotonin. Die einen versuchen es mit Alkohol, weil der angeblich so schön entspannt und dann den Stress sowie die Sorgen betäubt. Die anderen belohnen sich mit Nikotin oder auch Essen. Kurzkettige Kohlenhydrate und Zucker sorgen für einen Anstieg des Blutzuckerspiegels und liefern dem Körper ebenfalls Energie. 

Meist wurden diese Ersatzstoffe vom limbischen System auch als positiv gespeichert und alleine die Vorfreude auf das Essen oder den Alkohol sorgt schon wieder dafür, dass der Dopaminspiegel im Blut ansteigt. Und das limbische System generiert ein Verlangen und möchte natürlich, dass dieses gestillt wird. Die Belohnungserwartung ist somit getriggert. Leider ist dann das Gefühl der Belohnung beim Erreichen des Ziels, also dem ersten Schluck des Getränks oder auch der erste Bissen des Snacks, nicht so „befriedigend“, dass unser Belohnungssystem langfristig gestillt ist. Daher gibt es immer wieder Probleme mit dem richtigen Maß.

Und was ist mit den Ratten?

Wenn wir in unseren Stärken arbeiten und unser Belohnungssystem ausreichend aktiviert wird, macht die Arbeit viel mehr Spaß, brennen wir nicht aus, können wir uns im Team und individuell weiterentwickeln … sind wir nie erschöpft? 

In diesem letzten Punkt müssen wir Sie leider enttäuschen. Es ist ein Mythos, dass man Energie aus dem „Highperforming“ zieht. Im Gegenteil! Die Wirkung von Dopamin und Serotonin ist zwar belohnend. Allerdings ist sie auch hochgradig ermüdend. Wenn wir permanent höchste Leistung bringen, geht es uns wie den Ratten: Wir verausgaben uns bis zur völligen Erschöpfung. Vielleicht ist es Ihnen selbst schon einmal so gegangen, dass Sie am erfolgreichen Ende eines schwierigen oder langen Projektes zwar völlig euphorisch, aber eben auch komplett ausgepowert waren. 

Machen Belohnung und Erfolg also unglücklich? Nein, natürlich nicht! Aber wie bei allem im Leben braucht es auch im Arbeiten mit den Stärken eine gute Balance. Und wenn uns dann gelingt, unsere Stärken bewusst zu managen, dann haben wir spürbaren Erfolg! 

Kennen Sie schon Ihre Stärken? Wir möchten unsere nicht mehr missen.